MTGestern Teil III: Goldenes Jubiläum und nichts als Asche

Jubiläum im Blick
Schon im Vorfeld des 50. Vereinsjubiläums lassen sich im institutionellen Gefüge der MTG Veränderungen ablesen, die in naher und ferner Zukunft noch große Wirkungen zeigen sollten.
Da ist zum einen - und von grundlegender Bedeutung - die formelle Öffnung des Sportbetriebes für das weibliche Geschlecht, zum anderen aber auch die Gründung der Leichtathletik-Abteilung. Die Gründung einer Fußball-Abteilung blieb im Jahr 1930 ein Intermezzo, da sich die Kicker bereits nach einer Saison als eigenständiger Verein unter dem Namen 1. FC Eiberg konstituierten. Nicht ganz ohne Bedeutung war schließlich, dass ein 19-jähriger Jungspund in den erlauchten Vorstandskreis des Vereins einrückte und die Schriftführung übernahm, sein Name: Fritz Bender!

Ein Sportplatz wird erstampft
Für das Jubeljahr war schon vorab die Verknüpfung mit dem XI. Gauturnfest geplant. Demnach mussten aber auch die räumlichen Gegebenheiten für einen Leichtathletikwettkampf inklusive Laufwettbewerben gegeben sein. So nahmen die Turnbrüder Hans Kruse, Josef Kleifges, Artur Hierling (genannt Borchmeyer), Heinz Lömker und Fritz Bender die Dinge selbst in die Hand und planierten rund um den Fußballplatz an der Ruhrau eine Aschenbahn. Öffentliche Hilfe gab es von der Stadt Essen in Form der Bereitstellung eines LKW zum Aschentransport. Zum Sommer war das HANDwerk vollendet, und die großen Dinge konnten ihren Lauf nehmen.

Goldener Himmelssturm
Im Juni 1931 feierte die MTG ihr Goldenes Jubiläum auf dem Sportplatz Ruhrau und im Festzelt auf dem Märkischen Platz. Mit einer Kranzniederlegung gedachte man der verstorbenen Vereinsmitglieder. Die Feierlichkeiten waren neben dem Gauturnfest auch mit der Austragung der Volksturnmeisterschaften des Emscher-Ruhrgau Kreises 8a der Deutschen Turnerschaft verbunden. Zum Festprogramm vom 13. bis 15. Juni gehörte ein bunter Abend im Festzelt sowie Vier-, Fünf-, Sieben-, Neun- und Zwölfkämpfe der Turner und Leichtathleten. Zwölf Mannschaften traten in Blitzturnieren im Fußball und Handball gegeneinander an. Musikalisch begleitet wurden die Festivitäten von verschiedenen Chören und Männer-Gesang-Vereinen sowie der Kapelle der freiwilligen Steeler Feuerwehr.
Nicht nur den Zeitgenossen sollte ein Ereignis in besonderer Erinnerung bleiben. Ein Ereignis, das bei der 100-Jahr-Feier wieder "aufgelegt” wurde. Just am Vorabend des Festwochenendes fegte ein gewaltiger Sturm das Festzelt weg. Johannes Kleifges und Anton Schröer gelang es in wenigen Stunden, ein Ausgleichquartier zu finden, und so fand der festliche Abend im Saal von "Haus Wittler" statt, heute Bochumer Landstraße gegenüber der Lindenapotheke.
Unter großer Anteilnahme der Bevölkerung wurden die Sportwettkämpfe und Feierlichkeiten angenommen und brachten dem Verein hohes Ansehen und den Zulauf neuer Mitglieder.

Aufbau vor der Katastrophe
1934 übernahm Fritz Bender von Matthias Kleifges das Amt des Leichtathletikwarts und baute verschiedene Kinder- und Jugendgruppen auf. Zum Abschluss jeden Trainings liefen Staffeln gegeneinander, die sich aus verschiedenen Wohngebieten zusammensetzten und deshalb auch "Straßenstaffeln" hießen. Das spornte die Jugendlichen immer besonders an. 1935 kam unser Verein zu seinem heutige Namen: aus dem "Turnverein der Märkischen Gemeinden Horst-Ruhr" wurde die "Märkische Turngemeinde Horst". Inzwischen hatten sich die Leichtathleten zu einer der stärksten Abteilungen weit und breit entwickelt. Mit einer Bestzeit von 22,9 auf 200m schrieb sich mit Hans Berger erstmals ein Vereinsmitglied in die Deutsche Bestenliste ein. Luise und Elfriede Thom setzten bei den Niederrheinmeisterschaften von 1941 Meilensteine, die im Verein bis heute beispiellos sind - Luise mit 13,2 sec im 100m-Lauf und Elfriede mit 27,9 sec im 200m-Lauf.
Eine Reihe weiterer beeindruckender Ergebnisse folgte, denn bis zum Ausbruch des Weltkriegs eilte die MTG von Erfolg zu Erfolg. Ein Aufschwung der jäh unterbrochen wurde. Immer mehr Aktive wurden zum Wehrdienst eingezogen wurden. Zwar wurde der Sportbetrieb zunächst weiter aufrechterhalten, doch spätestens ab 1942 rissen alle Kontakte. "Eine schwere Zeit für den Bestand unseres Vereins brach heran. Durch den unseligen Krieg wurde alles zerstört, was in mühevoller, jahrelanger Aufbauarbeit errichtet worden war", brachte der legendäre Essener Langstreckler August Blumensaat die Dinge auf den Punkt.
Ein Zeichen der Zeit war, dass auf dem eigens für den Sport errichteten Platz an der Ruhrau nun Gartengrundstücke der elementaren Nahrungsbeschaffung dienten. Obwohl materiell in jeder Form am Ende lebte die MTG Sportgemeinschaft dennoch in den Gedanken der überlebenden Vereinsmitglieder weiter.