MTGestern Teil II: Schwere Zeiten bis zum Goldenen Jubiläum 1931

Höhepunkt zum 25. Stiftungsfest
Der zweite Teil unserer Rundschau durch die Vereinsgeschichte umspannt eine Zeit großer gesellschaftlicher Umbrüche. Das betrifft zum einen die große Politik und die "Urkatastrophe" des 20. Jahrhunderts - der Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Zum anderen aber auch die stürmische Entwicklung von Bevölkerung, Handel und Industrie zusammen mit den Gegenbewegungen der Jugend, von Naturfreunden und neuen Lebensgemeinschaften. Mit diesem Zug aus der Enge der Stadt hinaus in die freie Natur wuchs auch das Bedürfnis nach sportlicher Betätigung im Kreis von Freunden und Bekannten.
So stand auch unsere MTG im Jahre 1906 in vollster Blüte und das Jubelfest zum 25-jährigen Vereinsjubiläum hinterließ bei den Bürgern der Region einen bleibenden Eindruck. Dabei kam insbesondere die enge Verbundenheit zu dem befreundeten Steeler Turnverein von 1863 erneut zum Tragen.
Auch die sportlichen Erfolge bei den Turnfesten der Region konnten sich sehen lassen. Dabei standen zunächst die Aktivitäten im Rahmen des Deutschen Turnerbundes und vor allem die Wettkämpfe mit den anderen Vereinen der Grafschaft Mark im Vordergrund. Viele Siege wurden am Reck, im Springen, im Stemmen, am Schwingel (Pferd) und im Ringen erzielt. Regelmäßig nahmen die Sportler von der Schottländer Straße - heute Dahlhauser Straße - auch an den Schwimmwettkämpfen des Schwimmvereins Horst 1919 teil.
Dank des unermüdlichen Einsatzes des Vorsitzenden Gustav Großjung wuchs die Mitgliederzahl deutlich und der Verein war sich eines starken Rückhaltes in der Bevölkerung sicher. Als Gustav Großjung 1910 sein Amt niederlegte wurde er einstimmig zum Ehrenvorsitzenden gewählt. Leider verstarb er schon ein Jahr später..


Sachgeschenke statt Medaillen Anreiz für den Sport?
Der rasche Aufstieg, der sich bis zur Jahrhundertwende sowohl in sportlichen Erfolgen als auch in einem Anstieg der Mitgliederzahlen niederschlug, legte im neuen Jahrhundert eine Verschnaufpause ein. Dabei spielten einerseits die Veränderungen innerhalb der Bevölkerung wie auch die aus der Gegenwart bekannten Anreize für den Sport eine Rolle.
Zum einen hatte die Expansion des Stahlwerks Neuschottland einen Schub von Neubürgern an den Verein gebunden, zum anderen hatten sich die überregionalen Sportverbände noch nicht so fest institutionalisiert wie heute. Diese Organisationen hatten durchaus unterschiedliche Zielsetzungen.
Der traditionelle Deutsche Turnerbund hatte sich ganz dem Gemeinschaftsgedanken und der damit verbundenen Ideale verschrieben. Manche Vereine hielten es da lieber mit der Freien Deutschen Turnerschaft. Dort traten an die Stelle von Medaillen oder Eichenkränzen durchaus wertvolle Sachgegenstände. Vor allem für die starke Fraktion der "Neubürger" in der MTG war der Reiz so groß, dass sie darauf drängten, aus dem Rheinisch-Westfälischen Turnerbund auszutreten. Erst ein Jahr vor dem Ersten Weltkrieg erwies sich dieser Austritt dann als Episode und wurde am 6. Juli 1913 auf einstimmigen Beschluss der Mitglieder zurückgenommen.

Schatten des Krieges
Jäh wurde das Vereinsleben durch den Kriegsausbruch am 1. August 1914 zum Stocken gebracht. Bis auf neun Turner wurden sämtliche Mitglieder zum Kriegsdienst eingezogen, von denen neun nicht wieder aus dem Krieg zurückkehrten.
In dieser Zeit war es vor allem der spätere 1. Vorsitzende Johann Kleifges, der sich der Förderung der Jugend annahm und selbst eine Schülerriege betreute. Er war es auch, der zu den Turnbrüdern im Feld Kontakt hielt. Die Solidarität der MTG galt auch allen Kriegsversehrten und Hinterbliebenen im heimischen Amtsbezirk Königssteele. Im Zuge der Neuordnung der preußischen Verwaltungsbezirke fielen 1919 die vier zum Amt Hattingen, also zu Westfalen, gehörenden Gemeinden - Horst, Eiberg, Freisenbruch und Königssteele - an das zum Rheinland gehörende Steele.
In den schweren Jahren der Kriegs- und Nachkriegszeit gelang es Heinrich Großjung, der den Vereinsvorsitz von Kaspar Michelbach übernommen hatte, die Turngemeinschaft zusammen zu halten. Aus beruflichen Gründen übergab er den Vorsitz 1920 an Johann Kleifges, der die MTG, mit kurzen Unterbrechungen, fast zwanzig Jahre auf Kurs hielt.

Aufschwung durch die Jugend
Eine Bestandserhebung aus dem Jahre 1923 ergab einen Mitgliederstand von 142, wobei die unter 17jährigen eine deutliche Mehrheit bildeten. Paradegruppe des Vereins war die Herrenriege, die Anton Schröer nach dem Kriege neu aufgebaut hatte.
Die jährlichen Wettkämpfe im Jugend- und Altersturnen führten nach Wanne, Herne, Bochum und immer wieder Hattingen. Die MTG stellte viele Sieger und ward allerorten gern gesehen. 1926 holte sich die MTG beim Werbeschwimmen des Schwimmvereins Horst 1919 den Pokal in der 4x50 Meter Staffel. Auch viele Einzeltitel konnten die Turner von der Dahlhauser Straße für sich verbuchen.
Nach Anfängen im Faust- und Schleuderball, die in die Zeit vor dem Weltkrieg zurückreichen, wurde 1926 eine Handballabteilung gegründet. Bis zu drei Mannschaften nahmen am Spielbetrieb in der Region teil. Als besonderes Ereignis verbuchen die Chroniken der MTG den Besuch von 28 Aktiven beim Deutschen Turnfest 1928 in Köln.
1929 wurde Steele und damit unsere MTG in die Großstadt Essen eingemeindet. Dabei ist es, im Spannungsfeld zwischen Rheinland und Westfalen, bis in die Gegenwart geblieben.