MTGestern Teil I: Die Anfänge 1881 bis 1906

Krumme Wege
Pointiert könnte gesagt werden, der Anstoß zur Gründung unserer MTG lag auf der Straße. Denn in der Tat spielten die hiesigen Straßenverhältnisse eine bedeutende Rolle im Gründungsprozess des Vereins.
1863 hatte die Turnbewegung nach dem Vorbild von "Turnvater" Friedrich Ludwig Jahn in Steele zur Gründung eines Turnvereins geführt. Nach dem Motto: "Heraus aus den engen Straßen und dumpfen Häusern, dort wird keiner zum lebensstarken Menschen", stand der Gemeinschaftsgeist und kein bloßes Leistungsziel an oberster Stelle. Jeder sollte sich nach seinem Geschmack und seiner körperlichen Veranlagung so betätigen, wie es ihm "Not tut".
Im Zuge der rasanten Industrieentwicklung schnellten die Mitgliederzahlen des Steeler Turnvereins in die Höhe. Von nah und fern strömten die Turnbegeisterten nach Steele, um im Saal des Vereinslokals von Olfen in Gemeinschaft "ihren Körper zu stählen". Für die Mitglieder aus Horst begann und endete der Sportabend mit einem Fußmarsch über holprige Wege. Bei schlechter Witterung sicherlich keine einladende Betätigung.

Gründungsversammlung
So kamen 1881 viele Turnfreunde, die ihren Wohnsitz in der märkischen Gemeinde Horst hatten, in der Gaststätte von Bernhard Hackmann zusammen, um einen eigenen Turnverein zu gründen, den "Turn-Verein der Märkischen Gemeinden zu Horst bei Steele 1881". Ein genaues Gründungsdatum ist nicht überliefert, wohl aber, dass sich 24 "von einer ehrbaren Bürgergesinnung erfüllte" Männer zusammenfanden, um offiziell die Gründung bei den staatlichen Behörden zu beantragen.
Den Vorsitz des neuen Vereins übernahm "Initiator" Bernhard Hackmann, genannt "Rustikus", 2. Vorsitzender wurde Traugott Klotz, 1. Turnwart H. Oberwien, 2. Turnwart W. Stumpf und Wilhelm Braukämper, Schriftführer Ossendorf und Kassenwart Heinrich Menenkamp.
Sport in einer Gaststätte mag aus heutiger Sicht überraschen, ist aus der damaligen Zeit aber nur folgerichtig. Es gab keine Schulturnhallen oder öffentliche Räume, die man hätte nutzen können. Hochzeiten, Familienfeste oder Jubiläen wurden in Gaststätten gefeiert, die über entsprechende Tanzsäle verfügten - große Räumlichkeiten, die unter der Woche nur unzureichend ausgelastet waren. Von daher ergänzten sich bei Bernhard Hackmann Turnbegeisterung und bürgerlicher Geschäftssinn auf das Trefflichste.

Name als Programm
Auch die Namensgebung des Vereins und die Orientierung auf die "westfälischen" märkischen Gemeinden hatten einen realen Hintergrund. Man verstand sich als Ergänzung zum "rheinischen" Steeler Turnverein und wollte nicht in dessen Revieren Mitglieder abwerben. Man trainierte mittwochs und samstags im Vereinslokal und bereits 1882 wurde das erste Turnfest in Linden (heute Bochum-Linden) besucht. In kurzer Zeit zählte der Verein 60 Mitglieder. Sportlich standen zunächst die Aktivitäten im Rahmen des Deutschen Turnerbundes und vor allem die Wettkämpfe mit den anderen Vereinen der Grafschaft Mark im Vordergrund. 1883 errang Wilhelm Braukämper beim Turnfest in Hattingen am Reck den ersten Sieg der Vereinsgeschichte. Weitere Siege am Reck, im Springen und Stemmen sowie beim Ringen schlossen sich in dichter Folge an. Alle Medaillen und Auszeichnungen wurden im Vereinslokal an einen Preisständer geheftet.

Schicksalsschläge:
Zwei Ereignisse werfen ihre Schatten auf die frühe Erfolgsgeschichte der MTG.
Ende der 80er Jahre starb Bernhard Hackmann, der 1. Vorsitzende, überraschend an einem Erstickungsanfall. Verschiedene Turner bemühten sich daraufhin, den Verein zu leiten, doch erst Anfang 1890, mit der Wahl von Gustav Großjung zum 1. Vorsitzenden, einem begeisterten Turner, nimmt die Vereinsentwicklung einen neuen Aufschwung.
Auch der 2. Schicksalsschlag, der Brand des Vereinssaales im Jahre 1898, konnte diese Entwicklung nicht stoppen. Die ersten Vereinsbücher, das Gründungsprotokoll und die Vereinsfahne fielen den Flammen zum Opfer.

Bürgersolidarität
Doch welch hohes Ansehen der Verein in Horst genoss, das lässt sich aus der Solidarität der Bevölkerung ersehen. Eine Spendenaktion bei der Bürgerschaft und die finanzielle Unterstützung von Geschäftsleuten halfen in der Not. Als erstes und wichtigstes wurde für 350 Goldmark eine neue Vereinsfahne angeschafft. Ein deutliches Zeichen für die Gesinnung jener frühen Jahre!
Schon bald konnte der Turnbetrieb im Festsaal der Wirtschaft von Wüster aufgenommen werden. Bei den Gaufesten des Mittel-Ruhr-Gaues des Rheinisch-Westfälischen Turnverbandes demonstrierte die MTG immer wieder eindrucksvoll ihren Leistungsstand und wurde 1897 selbst mit der Durchführung der Veranstaltung betraut. Es war die erste Großveranstaltung in Eigenregie - sie wurde ein großer Erfolg.