Von der Landesliga bis in die Bundesliga

Als Synonym für Tischtennis in der MTG-Horst steht Reiner Sagurna, der als Abteilungsleiter maßgeblich an den großen sportlichen Erfolgen beteiligt war und zudem seit 1978 Übungsleiter ist. Die 1. Herren-Mannschaft eilte, dank der professionellen Unterstützung von Heinz Backhaus als Manager sowie unentwegter Sponsor, von Aufstieg zu Aufstieg. Diese Beiden begeisterten nahezu alle ihre Familienmitglieder für den Tischtennis-Sport. Besonders die Backhaus-Kinder Sabine, Andreas und vor allem Frank waren im Jugend- wie im SeniorInnenbereich überaus erfolgreich. Fast hätte der Backhaus-Familie eine Alpen-Bergtour im August 1988 ein Strich durchs Leben gemacht, denn mit Frank stürzten Andreas und Vater Heinz ab, aber zum Glück wurden sie aus dieser dramatischen Situation gerettet.

Seinerzeit zählte man mit 166 Mitgliedern den später unerreichten Höchststand an Mitgliedern in der Abteilungsgeschichte. Im Rahmen der Tischtennis-WM 1989 in Dortmund konnten in Horst sogar als Gäste die Nationalmannschaft Sri Lankas zu einem Freundschaftsspiel empfangen werden, ein "Highlight" des Abteilungsgeschehens.

Die anfangs unglaubliche Vision, die 1. Bundesliga zu erreichen, nahm im WM-Jahr tatsächlich erste Konturen an. Ein Durchmarsch von der Landesliga bis zur Oberliga mit Andreas Backhaus, Oliver Gehlker, Klaus Solka, Frank Wolter, Frank Greding und Michael Höhl folgte unmittelbar. Gestärkt durch die "Rückkehrer" Kurt Stadie und Frank Backhaus war der Aufstieg in die 2. Bundesliga vorprogrammiert. Mit dem tschechoslowakischen Nationalspieler Richard Vyborny und dem Routinier Manfred Nieswand mit jahrelanger Bundesliga-Erfahrung waren die Spielzeiten von 1992/93 bzw. 1993/94 dadurch geprägt, sich in der 2. Bundesliga zu etablieren und auf den richtigen Zeitpunkt zum Sprung in die deutsche Topliga zu warten. Aus Zuschauerkapazitätsgründen und um den Auflagen des Deutschen Tischtennisbundes gerecht zu werden, wechselte man in der Saison 1994/95 die Heimspiellokalität: Von der Turnhalle am Lindkenshofer Weg ging es rüber nach Freisenbruch in die Sporthalle der Erich-Kästner-Gesamtschule. Vorher konnte durch einen Glücksfall der Spitzenspieler Petr Korbel (gerade freigestellt von Borussia Düsseldorf als damals 25. der Weltrangliste) sowie das bundesligaerfahrene Trio mit Christian Franzel, Matthias Hüttemann und Tommy Danielsson (schwedischer Nationalspieler) verpflichtet werden, um die 1. Liga nach Horst ins Ausweich-Domizil zu locken.

Der 17.4.1995 war der Tag der Tage: Vor rund 700 frenetischen Zuschauern kämpfte man über vier Stunden den direkten Konkurrenten von Borussia Brand aus Aachen in einem hochgradig spannenden Spiel um Sekt oder Selters nieder. Schließlich gelang dem finalen Schlussdoppel Petr Korbel/Christian Franzel die Sensation. Man sicherte sich in buchstäblich letzter Sekunde den nötigen Punkt und damit das wohl wichtigste Remis in der Abteilungsgeschichte, wodurch der Aufstieg in die höchste deutsche Spielklasse besiegelt war. Was für eine bundesweite Werbung für die MTG-Horst durch Petr Korbel, Christian Franzel, Manfred Nieswand, Frank Backhaus und Michael Höhl! Leider gelang es in der kommenden Saison nicht, die Klasse zu halten, denn nur Spitzenspieler Korbel erzielte ein positives Einzelergebnis mit 29:12-Siegen. Letztlich konnten dringend erforderliche Spielerverpflichtungen bei einer schwierigen Essener Sponsorenlandschaft nicht getätigt werden und mit 6:38 Zählern hieß es, sich in Richtung 2. Bundesliga zu verabschieden. An das Vorhaben "1. Bundesliga" zurückzudenken weckt jedoch immer wieder unbeschreibliche Emotionen und Erinnerungen, denn die besten Spieler der Welt gaben in Horst ihre Visitenkarten ab. Unvergessen bleiben die Fahrten des "harten" Fan-Kerns zu den Auswärtsspielen, wodurch das Team stets euphorisch unterstützt wurde.

Neben den Meisterschaftserfolgen des Aushängeschildes wurde der Essener Stadtpokal "abonniert", zudem gewann man bei den Essener Stadtmeisterschaften regelmäßig die Vereinswertungen, erstmals 1982 und bei den 50. Stadtmeisterschaften 1996 sogar nach viermaliger Folge zum insgesamt zehnten Mal. Unzählige Titel bei Kreis- und Bezirksmeisterschaften unterstrichen die Dominanz der MTG'ler auf Bezirksebene. Im Windschatten der Topspieler erreichten die darunter spielenden acht Seniorenmannschaften 1996 gute Platzierungen in Oberliga, Bezirksliga und in den Spielklassen auf Kreisebene. Nach enttäuschenden Leistungen in der 2. Bundesliga Nord 1996/97 wurde die 1. Herren sowie die Zweitvertretung in der Oberliga aus finanziellen und sportlichen Gründen zurückgezogen, ein bedeutendes Kapitel der MTG-Vereinsgeschichte endete.


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